Zahlungsmoral 2026: Vier von fünf Rechnungen werden pünktlich bezahlt, und kurze Zahlungsziele bringen das Geld nicht schneller
Wir haben echte Zahlungseingänge auf Rechnungen von Selbstständigen und kleinen Unternehmen ausgewertet. Die Hälfte der Rechnungen ist nach einer Woche bezahlt, neun von zehn nach 30 Tagen, vier von fünf bis zum Fälligkeitstag. Wer kurze Zahlungsziele setzt, bekommt sein Geld nicht früher, aber doppelt so oft zu spät. Ausgabe 1 des Zahlungsmoral-Reports.
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- Norman
Basis: anonymisierte Rechnungen von Selbstständigen und kleinen Unternehmen in Deutschland, deren Zahlung über die Bankanbindung eingegangen ist, Rechnungsdatum Januar 2024 – Juni 2026
Methodik & DatengrundlagePresseanfragen: press@norman.finance
Über Zahlungsmoral wird viel geklagt. Gemessen wird sie selten, und wenn, dann mit Umfragen, in denen Unternehmen schätzen, wie lange ihre Kunden zahlen. Wir haben nicht gefragt, sondern nachgesehen, wann das Geld für eine Rechnung tatsächlich auf dem Konto eingeht.
Grundlage sind Rechnungen von Selbstständigen und kleinen Unternehmen in Deutschland mit Rechnungsdatum von Januar 2024 bis Juni 2026, deren Zahlung über die Bankanbindung eingegangen und der Rechnung zugeordnet ist. Als Zahlungstag zählt die Wertstellung der Bank, kein von Hand eingetragenes Datum. Wir schätzen also nicht, wann Kunden zahlen; wir lesen es vom Konto ab.
Die Hälfte ist nach einer Woche bezahlt
Vom Rechnungsdatum bis zum Zahlungseingang vergehen im Median acht Tage. Nach einer Woche ist knapp die Hälfte der Rechnungen bezahlt, nach zwei Wochen sind es rund drei von vier, nach 30 Tagen neun von zehn. Danach kommt nur noch wenig: Nach 60 Tagen sind 98 Prozent der Rechnungen beglichen.
Dieses Bild hängt nicht an wenigen Unternehmen mit vielen Rechnungen. Gewichtet man jedes Unternehmen gleich, ergeben sich nahezu dieselben Anteile, und auch das typische Unternehmen wartet acht Tage auf sein Geld.
Vier von fünf Rechnungen kommen pünktlich
Gemessen am Fälligkeitstag, den die Rechnung nennt, werden rund vier von fünf Rechnungen pünktlich bezahlt (78,5 Prozent). Fast die Hälfte aller Rechnungen ist sogar mehr als eine Woche vor Fristende beglichen.
Jede fünfte Rechnung kommt zu spät, meist aber nur knapp: Fast die Hälfte der verspäteten Zahlungen trifft innerhalb einer Woche nach dem Fälligkeitstag ein. Mehr als eine Woche über die Frist geht rund jede zehnte Rechnung, mehr als einen Monat nur rund 2 Prozent.
Für das einzelne Unternehmen gehören Verspätungen trotzdem zum Alltag. Sechs von zehn Unternehmen hatten im Zeitraum mindestens eine Rechnung, die erst nach Fristende bezahlt wurde, und mehr als jedes vierte mindestens eine, die mehr als zwei Wochen überfällig war.
Kurze Fristen bringen das Geld nicht schneller
Hilft also eine kürzere Frist? Wir haben Rechnungen mit einem Zahlungsziel von bis zu 14 Tagen mit Rechnungen verglichen, die 15 Tage oder mehr Zeit geben. Das Geld kommt in beiden Gruppen fast gleich schnell: im Median nach acht beziehungsweise siebeneinhalb Tagen. Der Unterschied liegt woanders. Bei kurzer Frist wird fast jede dritte Rechnung erst nach dem Fälligkeitstag bezahlt (31 Prozent), bei längerer Frist rund jede achte (13 Prozent).
Das spricht dafür, dass Kunden nach ihrem eigenen Takt zahlen und nicht nach der Frist auf der Rechnung. Eine kurze Frist macht eine Rechnung nicht dringlicher. Sie macht sie nur früher überfällig. Der Befund gilt auch, wenn man jedes Unternehmen gleich gewichtet. Er beschreibt allerdings einen Zusammenhang, keinen Versuch: Wer kurze Fristen setzt, hat womöglich auch andere Kunden.
Große Rechnungen kommen kaum später
Auch der Betrag ändert wenig. Rechnungen ab 1.000 Euro werden im Median nach acht Tagen bezahlt, kleinere nach sieben. Bei großen Rechnungen kommt etwas häufiger eine Zahlung zu spät (25 gegenüber 21 Prozent), am Gesamtbild ändert das nichts.
Was das bedeutet
Die Zahlungsmoral der Kunden ist besser als ihr Ruf. Die meisten Rechnungen werden pünktlich bezahlt, viele lange vor Fristende. Das Problem sind die wenigen Rechnungen, die liegen bleiben, und die lassen sich früh erkennen: Was eine Woche nach dem Fälligkeitstag noch offen ist, gehört zu der kleinen Gruppe, die deutlich länger braucht. Eine freundliche Erinnerung zu diesem Zeitpunkt trifft also genau die Rechnungen, die sonst lange offen bleiben.
Ein kürzeres Zahlungsziel ist dagegen kein Hebel für schnelleres Geld. Es sorgt vor allem für mehr überfällige Rechnungen und damit für mehr Erinnerungen.
Rechtlich gilt: Ist kein Zahlungsziel vereinbart, ist eine Rechnung sofort fällig (§ 271 BGB). In Verzug gerät ein Kunde durch eine Mahnung nach Fälligkeit, spätestens aber 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung; bei Privatkunden gilt diese 30-Tage-Regel nur, wenn die Rechnung darauf hinweist (§ 286 BGB). Ein Zahlungsdatum, das nur auf der Rechnung steht, ersetzt die Mahnung nicht. Wie du richtig mahnst und was du dafür berechnen darfst, steht in unserem Leitfaden Mahnung schreiben.
Ehrlich benannt sei die Grenze der Daten: Wir sehen nur Rechnungen, deren Zahlung auf dem Konto eingegangen ist. Rechnungen, die nie bezahlt werden, fehlen in dieser Auswertung. Und wer seine Zahlungseingänge digital abgleicht, gehört eher zu den gut organisierten Betrieben. Für sie aber gilt: Das Geld kommt, meist pünktlich, im Median nach acht Tagen.
Diese Auswertung erscheint künftig jährlich an dieser Adresse; Änderungen dokumentiert das Protokoll am Seitenende. Alle Auswertungen dieser Rubrik: Daten & Analysen.
Methodik
Grundlage sind Rechnungen, die Selbstständige und kleine Unternehmen in Deutschland zwischen Januar 2024 und Juni 2026 in Norman geschrieben haben und deren Zahlung über eine Bankanbindung eingegangen und der Rechnung zugeordnet ist. Als Zahlungstag gilt die Wertstellung der Bank. Rechnungen, die nur von Hand als bezahlt markiert wurden, zählen nicht: Ihr Datum ist oft der Tag des Eintrags, nicht der Tag der Zahlung. Zahlungseingänge sind bis Anfang Oktober 2026 berücksichtigt; jede Rechnung hatte also mindestens drei Monate Zeit, bezahlt zu werden.
Gezählt werden Rechnungen, keine Angebote, Entwürfe, Stornos oder Gutschriften. Zahlungen vor dem Rechnungsdatum, etwa bei Vorkasse, und Zahlungen mehr als ein Jahr nach dem Rechnungsdatum bleiben außen vor. Bei Teilzahlungen zählt der erste Zahlungseingang. Pünktlich heißt: bezahlt bis einschließlich zu dem Fälligkeitstag, den die Rechnung nennt. Die Vergleichsgruppen nach Zahlungsziel trennen Rechnungen mit bis zu 14 Tagen und mit 15 oder mehr Tagen zwischen Rechnungsdatum und Fälligkeit, die Gruppen nach Betrag Rechnungen unter und ab 1.000 Euro (nur Rechnungen in Euro). Interne und Test-Konten sind ausgeschlossen.
Kennzahlen zu Rechnungen gewichten jede Rechnung gleich. Damit wenige Unternehmen mit vielen Rechnungen das Bild nicht prägen, haben wir die Kennzahlen zusätzlich mit gleichem Gewicht je Unternehmen berechnet; die Ergebnisse liegen nahe beieinander. Aussagen zum typischen Unternehmen beziehen sich auf Unternehmen mit mindestens drei Rechnungen im Zeitraum. Das Ergebnis ist in beiden Hälften des Zeitraums nahezu gleich.
Alle Werte sind Anteile oder Mediane; keine veröffentlichte Kennzahl basiert auf weniger als 40 Unternehmen. Absolute Zahlen veröffentlichen wir nicht. Die Daten zeigen bezahlte Rechnungen digital arbeitender Selbstständiger und kleiner Unternehmen, keine amtliche Statistik. Wie wir grundsätzlich mit Daten arbeiten, dokumentiert Methodik & Datengrundlage.
Über diese Daten
Norman ist eine Buchhaltungsplattform für Selbstständige und kleine Unternehmen in Deutschland; dort entstehen die hier ausgewerteten, anonymisierten Nutzungsdaten. Grafiken und Zahlen dieser Seite dürfen mit Quellenangabe „Norman“ frei verwendet werden. Presseanfragen und Datenwünsche: press@norman.finance.
Änderungsprotokoll
- Oktober 2026: Erste Ausgabe. Rechnungsdatum Januar 2024 bis Juni 2026, Zahlungseingänge bis Anfang Oktober 2026. Jährliche Aktualisierung geplant.
Häufige Fragen
- Wie lange dauert es, bis eine Rechnung bezahlt wird?
- Im Median acht Tage ab Rechnungsdatum. In unserer Auswertung echter Zahlungseingänge ist knapp die Hälfte der Rechnungen nach einer Woche bezahlt, rund drei von vier nach zwei Wochen und neun von zehn nach 30 Tagen.
- Wie viele Rechnungen werden zu spät bezahlt?
- Rund jede fünfte Rechnung wird erst nach dem Fälligkeitstag bezahlt, fast die Hälfte davon innerhalb einer Woche nach Fristende. Mehr als einen Monat zu spät kommen rund 2 Prozent der Rechnungen.
- Welches Zahlungsziel sollte ich auf meine Rechnung schreiben?
- Ein kürzeres Zahlungsziel bringt das Geld in unseren Daten nicht schneller: Mit bis zu 14 Tagen Frist zahlen Kunden im Median nach acht Tagen, mit 15 Tagen oder mehr nach siebeneinhalb. Bei kurzer Frist wird aber mehr als doppelt so oft zu spät gezahlt. Ist gar kein Zahlungsziel vereinbart, ist die Rechnung sofort fällig (§ 271 BGB).
- Ab wann ist ein Kunde in Zahlungsverzug?
- Durch eine Mahnung nach Fälligkeit, spätestens aber 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang der Rechnung (§ 286 BGB). Bei Privatkunden gilt die 30-Tage-Regel nur, wenn die Rechnung darauf hinweist. Ein Zahlungsdatum, das nur auf der Rechnung steht, löst den Verzug nicht aus.
- Was darf ich bei Zahlungsverzug verlangen?
- Verzugszinsen: gegenüber Unternehmen neun Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, gegenüber Privatkunden fünf Prozentpunkte (§ 288 BGB). Von Unternehmen zusätzlich eine Pauschale von 40 Euro. Die erste Mahnung, die den Verzug erst auslöst, darfst du nicht in Rechnung stellen.
Sieh auf einen Blick, welche Rechnung noch offen ist
Norman ordnet Zahlungseingänge deinen Rechnungen zu und erinnert deine Kunden auf Wunsch automatisch, sobald eine Frist verstreicht.