UG oder GmbH gründen: Der komplette Leitfaden für 2026
Peter
Aktualisiert am:
15.02.2026
Wenn du in Deutschland ein Unternehmen gründen willst, ist eine der ersten Entscheidungen die Wahl der Rechtsform. Viele Unternehmer starten als Selbstständige (Einzelunternehmer oder Freiberufler), was kaum Aufwand erfordert—einfach beim Finanzamt anmelden und los geht's. Aber Selbstständigkeit hat einen entscheidenden Nachteil: unbeschränkte persönliche Haftung. Wenn dein Unternehmen Schulden macht oder verklagt wird, haftest du mit deinem Privatvermögen.
Deshalb denken die meisten Gründer irgendwann über eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung nach. In Deutschland bedeutet das typischerweise die Wahl zwischen zwei Rechtsformen: der UG (haftungsbeschränkt) und der GmbH. Beide schützen dein Privatvermögen, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten—besonders am Anfang.
„Ich habe Unternehmen in den USA, UK, Singapur und Deutschland gegründet. Deutschland ist mit Abstand am kompliziertesten und langwierigsten. Trotzdem: Wenn du in Deutschland lebst und die meisten deiner Kunden hier sind, denk nicht über Steuerersparnis in anderen Ländern nach. Es wird immer viel komplizierter und teurer als erwartet." — Peter Boyko, Serienunternehmer
Was ist eine UG vs. GmbH?
Die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) ist Deutschlands etablierteste Form der Kapitalgesellschaft. Seit über einem Jahrhundert ist sie die Standardwahl und genießt sofortige Glaubwürdigkeit bei Banken, Investoren und Geschäftspartnern.
Die UG (haftungsbeschränkt) kam 2008 als Antwort auf die britische Limited, die den deutschen Markt überflutete. Der Gesetzgeber wollte Gründern eine deutsche Alternative bieten, die keine €25.000 Startkapital erfordert. Das Ergebnis ist im Grunde eine „Starter-GmbH" oder „Mini-GmbH"—gleicher Rechtsschutz, andere Kapitalregeln.
Merkmal | UG | GmbH |
|---|---|---|
Mindeststammkapital | €1 | €25.000 |
Kapitaleinzahlung | 100% sofort | 50% sofort (€12.500) |
Sacheinlagen | Nicht erlaubt | Erlaubt |
Gewinnrücklagepflicht | 25% jährlich bis €25.000 | Keine |
Namenszusatz | „UG (haftungsbeschränkt)" erforderlich | „GmbH" |
Wahrgenommene Seriosität | Niedriger | Höher |
Der Trade-off ist einfach: Mit der UG kannst du mit fast nichts starten, hast aber Einschränkungen bei der Gewinnausschüttung und erntest skeptische Blicke von Partnern, die das „(haftungsbeschränkt)" in deinem Firmennamen sehen und sich fragen, ob du unterkapitalisiert bist.
UG oder GmbH gründen: Schritt für Schritt
Der Gründungsprozess funktioniert bei beiden Rechtsformen gleich. Was sich ändert, ist die Höhe der Kapitaleinlage und einige Details im Papierkram. So kommst du von der Idee zur eingetragenen Gesellschaft.
Schritt 1: Unternehmensstruktur festlegen
Bevor du einen Notar kontaktierst, kläre die Grundlagen. Du musst entscheiden, wie viele Personen das Unternehmen gründen und wer es führen soll. Ein Einzelgründer kann gleichzeitig alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer sein—das ist die häufigste Konstellation bei kleinen Unternehmen.
Du brauchst außerdem einen Firmennamen. Das deutsche Recht verlangt, dass dein Name im lokalen Handelsregister einzigartig ist und den Rechtsformzusatz enthält. Bei einer UG bedeutet das, „UG (haftungsbeschränkt)" jedes Mal vollständig auszuschreiben—Abkürzungen sind nicht erlaubt. Bei einer GmbH kannst du einfach „GmbH" anhängen.
Schließlich überleg dir den Unternehmensgegenstand. Der muss nicht poetisch sein, sollte aber alles abdecken, was du vorhast. Formulierst du ihn zu eng, brauchst du später eine teure Änderung. Formulierst du ihn zu weit, könnten bei der Eintragung Fragen aufkommen.
Schritt 2: Gesellschaftsvertrag aufsetzen
Der Gesellschaftsvertrag ist das Gründungsdokument deines Unternehmens. Er definiert, wem was gehört, wie Entscheidungen getroffen werden und was passiert, wenn etwas schiefgeht.
Für einfache Konstellationen—bis zu drei Gesellschafter und ein Geschäftsführer—kannst du das Musterprotokoll verwenden, eine standardisierte Vorlage, die Notarkosten senkt und den Prozess beschleunigt. Die meisten Einzelgründer einer UG wählen diesen Weg.
Bei komplexeren Strukturen, oder wenn du Regelungen für Dinge wie Mitverkaufsrechte, individuelle Gewinnverteilung oder spezielle Regeln für Anteilsübertragungen willst, brauchst du einen individuellen Vertrag. Das kostet mehr, gibt dir aber Flexibilität, die die Vorlage nicht bietet.
Schritt 3: Notartermin
Für die Gründung einer deutschen Kapitalgesellschaft brauchst du einen Notar. Daran führt kein Weg vorbei—die Unterschriften auf deinen Gründungsdokumenten müssen notariell beurkundet werden, um rechtswirksam zu sein.
Die gute Nachricht: Seit August 2022 geht das auch online. Videonotartermine sind jetzt für unkomplizierte Gründungen verfügbar, du musst also nicht persönlich beim Notar erscheinen. Das ist besonders hilfreich, wenn du aus dem Ausland gründest oder einfach keine Lust auf Terminkoordination hast.
Beim Termin unterschreibst du den Gesellschaftsvertrag, bestellst offiziell den Geschäftsführer und bevollmächtigst den Notar, deinen Antrag beim Handelsregister einzureichen. Bring einen gültigen Ausweis mit—ein Reisepass funktioniert—und alle Dokumente, die der Notar vorab angefordert hat.
Schritt 4: Geschäftskonto eröffnen
Dein Unternehmen braucht ein Bankkonto, bevor es eingetragen werden kann. Der Notar benötigt einen Nachweis, dass du dein Stammkapital eingezahlt hast, und diesen Nachweis bekommst du von der Bank.
Bei einer UG beträgt die Mindesteinlage €1, aber mit so wenig zu starten ist eher theoretisch. Die meisten Gründer zahlen €500 bis €2.000 ein, um anfängliche Ausgaben wie Notar, Eintragungsgebühren und grundlegende Betriebskosten zu decken. Bei einer GmbH musst du mindestens €12.500 einzahlen—die Hälfte des erforderlichen Stammkapitals von €25.000.
Zwei Banken stechen bei der deutschen Unternehmensgründung hervor:
Qonto ist die beste Wahl für die meisten Unternehmen. Die Kontoeröffnung läuft reibungslos, die Oberfläche ist modern, und sie verstehen die Bedürfnisse neu gegründeter Unternehmen. Das empfehlen wir, wenn du von Anfang an ein professionelles Banking-Setup willst.
Vivid ist eine Überlegung wert, wenn Geschwindigkeit und niedrige Kosten Priorität haben. Sie können Konten oft schneller eröffnen als traditionelle Banken, und ihre Gebührenstruktur ist besonders freundlich für Unternehmen, die gerade erst anfangen.
Egal für welche Bank du dich entscheidest: Beantrage das Konto früh im Prozess. Das Onboarding kann ein paar Tage dauern, und du willst nicht, dass es zum Engpass wird.
Schritt 5: Handelsregistereintragung
Sobald der Notar alles hat—unterschriebene Dokumente, Kapitaleinzahlungsnachweis, vollständigen Antrag—reicht er deine Anmeldung beim Handelsregister ein. Das ist das offizielle Unternehmensregister, das von lokalen Gerichten geführt wird.
Die Bearbeitungszeit variiert je nach Standort. In stark frequentierten Städten wie Berlin oder München rechne mit 2–4 Wochen. Kleinere Amtsgerichte sind manchmal schneller. Nach der Eintragung erhältst du eine HRB-Nummer (deine eindeutige Handelsregisterkennung) und dein Unternehmen wird im Bundesanzeiger veröffentlicht.
✅ Ab diesem Zeitpunkt existiert dein Unternehmen rechtlich.
Schritt 6: Beim Finanzamt anmelden
Innerhalb weniger Wochen nach der Eintragung schickt dir das Finanzamt einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung—einen Fragebogen über deine erwarteten Geschäftsaktivitäten, Umsätze und Struktur. Füll ihn sorgfältig aus. Die Antworten bestimmen deine Steuernummern, Umsatzsteuerpflichten und Vorauszahlungen.
Wenn du erwartest, im ersten Jahr mehr als €25.000 in Rechnung zu stellen (oder €100.000 in Folgejahren), musst du dich für die Umsatzsteuer registrieren und sie auf deinen Rechnungen ausweisen. Unter dieser Schwelle kannst du die Kleinunternehmerregelung wählen, die dich von der Umsatzsteuer befreit—aber auch bedeutet, dass du keine Vorsteuer aus deinen eigenen Ausgaben geltend machen kannst.
Schritt 7: Gewerbeanmeldung und Kammermitgliedschaft
Melde deine gewerbliche Tätigkeit beim örtlichen Gewerbeamt an. Das kostet €20–60 je nach Gemeinde und dauert etwa zehn Minuten.
Kurz darauf bekommst du einen Brief von der IHK (Industrie- und Handelskammer) oder HWK (Handwerkskammer), der dich über deine Pflichtmitgliedschaft informiert. Ja, Pflicht. Deutschland verlangt von allen Gewerbetreibenden die Zugehörigkeit zu ihrer jeweiligen Kammer. Die Beiträge richten sich nach deinem Umsatz—rechne mit €150–300 pro Jahr für die meisten kleinen Unternehmen.
Schritt 8: Weitere Anmeldungen
Je nach Situation können weitere Anmeldungen anfallen. Wenn du Mitarbeiter einstellen willst, brauchst du eine Betriebsnummer von der Agentur für Arbeit und eine Anmeldung bei einer Berufsgenossenschaft für die gesetzliche Unfallversicherung.
Alle Unternehmen müssen sich außerdem beim Transparenzregister anmelden, Deutschlands Datenbank für wirtschaftlich Berechtigte. Seit 2023 ist diese Anmeldung für die meisten Unternehmen kostenlos, aber die Pflicht bleibt bestehen—bei Nichtanmeldung drohen erhebliche Bußgelder.
Du willst das nicht alles selbst machen?
Wenn sich die acht Schritte oben nach viel anfühlen, liegt das daran, dass sie es sind. Bei Norman begleiten wir Gründer durch den gesamten Prozess—von der Namensprüfung über Notar, Geschäftskonto, Finanzamt und Transparenzregister bis zur Gewerbeanmeldung. Du bekommst einen persönlichen Berater, der einen individuellen Fahrplan für deine Situation erstellt. UG-Gründung ab €99, GmbH ab €199.
Was kostet es wirklich?
Die Kapitalanforderung ist der Hauptunterschied zwischen UG und GmbH, aber sie ist eigentlich keine Kosten—das Geld bleibt als Betriebskapital in deinem Unternehmen. Die tatsächlichen Kosten sind die Gebühren, die du für die Eintragung zahlst.
Kostenposition | UG | GmbH |
|---|---|---|
Mindeststammkapital | €1 | €25.000 |
Notargebühren (Musterprotokoll) | €150–300 | €400–800 |
Notargebühren (individueller Vertrag) | €300–600 | €800–1.500 |
Handelsregistereintragung | €150 | €150 |
Gewerbeanmeldung | €20–60 | €20–60 |
Gesamtgebühren (ohne Kapital) | €350–500 | €600–1.000 |
Die laufenden Kosten sind bei beiden Rechtsformen ähnlich. Plane €1.500–5.000 pro Jahr für Buchhaltung und Steuererklärung ein, je nach Transaktionsvolumen und Komplexität. Dazu kommen IHK-Mitgliedschaft (€150–300) und jährliche Veröffentlichungsgebühren (€50–100).
„Wenn Gründer mich nach Kosten fragen, unterscheide ich immer zwischen Gründungsgebühren und Kapital. Die €25.000 für eine GmbH sind kein Geld, das du ausgibst—es ist Geld, das du in dein eigenes Unternehmen einbringst. Die eigentliche Frage ist, ob du es dir leisten kannst, dieses Kapital zu binden, bevor du bewiesen hast, dass dein Geschäftsmodell funktioniert." — Peter Boyko, Gründer von Norman
Die Gewinnrücklagepflicht der UG
Hier ist etwas, das viele UG-Gründer überrascht: Du kannst deine Gewinne nicht frei ausschütten.
Das deutsche Recht verlangt, dass jede UG 25% ihres Jahresüberschusses in eine Kapitalrücklage einstellt. Das geht Jahr für Jahr so weiter, bis das Stammkapital €25.000 erreicht. Dann kann die UG in eine GmbH umgewandelt werden und die Einschränkung entfällt.
Das ist nicht optional. Wenn deine UG €40.000 Jahresüberschuss erwirtschaftet, gehen €10.000 automatisch in die Rücklage. Nur €30.000 stehen für Ausschüttung oder andere Verwendungen zur Verfügung. Die Regel soll sicherstellen, dass UGs schrittweise die gleiche Kapitalbasis wie eine GmbH aufbauen, bedeutet aber, dass deine ersten Jahre an Gewinnen teilweise gebunden sind.
Für Gründer, die sowieso alles reinvestieren wollen, spielt das kaum eine Rolle. Aber wenn du darauf angewiesen bist, Gewinne aus dem Unternehmen zu entnehmen, um davon zu leben, berücksichtige diese Einschränkung in deiner Planung.
Wann welche Rechtsform wählen
Die Entscheidung ist nicht kompliziert, wenn du die Trade-offs verstehst.
Eine UG macht Sinn, wenn du eine Idee testest und nicht gleich €25.000 binden willst. Sie ist beliebt bei Beratern, Freiberuflern, die in eine Kapitalgesellschaft wechseln, und Gründern von Early-Stage-Startups. Der Haftungsschutz ist identisch zur GmbH, und die Gewinnrücklagepflicht spielt nur eine Rolle, wenn du tatsächlich profitabel bist.
Eine GmbH macht Sinn, wenn du Zugang zu Kapital hast und maximale Glaubwürdigkeit von Tag eins willst. Banken nehmen GmbH-Anträge ernster. Geschäftspartner zweifeln nicht an deiner finanziellen Stabilität. Und du kannst Vermögenswerte—Ausrüstung, geistiges Eigentum, sogar Immobilien—als Teil deines Kapitals einbringen, was bei einer UG nicht möglich ist.
Viele Gründer starten mit einer UG und wandeln später in eine GmbH um, wenn das Unternehmen wächst und sich die Kapitalrücklage ansammelt. Das ist eine völlig legitime Strategie, kein Kompromiss.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist es sinnvoll, eine UG zu gründen?
Eine UG ist ideal, wenn du beschränkte Haftung willst, aber keine €25.000 als Stammkapital binden kannst. Sie eignet sich gut für Dienstleistungsunternehmen, Berater und Gründer, die Gewinne reinvestieren statt ausschütten wollen. Die niedrige Einstiegshürde ermöglicht dir einen schnellen Start bei gleichzeitiger Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen.
Was ist der Nachteil einer UG?
Die Hauptnachteile sind die verpflichtende 25%-Gewinnrücklage, die Pflicht, den vollständigen Namen „UG (haftungsbeschränkt)" überall zu verwenden, und geringere wahrgenommene Seriosität bei einigen Geschäftspartnern und Banken. Außerdem sind keine Sacheinlagen möglich—nur Bargeld.
Was kostet eine UG pro Jahr?
Rechne mit jährlichen Mindestkosten von €1.250–2.000 für eine einfache UG mit geringem Umsatz. Das deckt grundlegende Buchhaltung, Steuererklärung, IHK-Mitgliedschaft und erforderliche Veröffentlichungen. Die Kosten steigen mit Transaktionsvolumen und Komplexität.
Wie viel Umsatz darf eine UG machen?
Es gibt keine Umsatzgrenze für eine UG. Dein Unternehmen kann unbegrenzt Umsatz erzielen. Die einzige laufende Anforderung ist die 25%-Gewinnrücklage, bis das Stammkapital €25.000 erreicht—dann kannst du in eine GmbH umwandeln.
Können Ausländer eine UG oder GmbH gründen?
Ja. Es gibt keine Staatsangehörigkeits- oder Wohnsitzanforderungen für Gesellschafter oder Geschäftsführer. Du kannst ein deutsches Unternehmen gründen und führen, während du im Ausland lebst. Die Online-Notartermin-Option macht das besonders zugänglich.
Bereit loszulegen?
Wenn du lieber jemanden an deiner Seite hast, statt alles allein herauszufinden, hilft dir Norman bei der Gründung deiner UG oder GmbH—mit persönlicher Begleitung bei jedem Schritt. Keine überteuerten Anwaltspakete, sondern ein dedizierter Experte, eine klare Checkliste und exklusive Angebote von Bankpartnern. UG ab €99, GmbH ab €199.

