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Brille absetzen 2026: Was Selbstständige und GmbH-Geschäftsführer wirklich abziehen können

Eine normale Sehhilfe ist privat — Punkt. Aber Schutzbrille, Bildschirmarbeitsplatzbrille und der Vorsteuerabzug spielen in einer eigenen Liga. Hier sind die Regeln 2026 für Selbstständige und GmbH-Geschäftsführer.

Kategorie
Steuern
Aktualisiert
Autor:in
Diana

„Kann ich meine Brille von der Steuer absetzen?“ — eine der häufigsten Fragen, die Selbstständige und Geschäftsführer uns stellen. Die kurze Antwort: in den meisten Fällen nein. Die längere Antwort hat drei Ausnahmen, die echte Steuerersparnis bringen — und einen vGA-Fallstrick, der GmbH-Geschäftsführer teuer zu stehen kommen kann.

Kurz erklärt

  • Eine normale Brille zur Korrektur einer Sehschwäche ist privat, auch wenn du sie den ganzen Arbeitstag trägst. Betriebsausgabe und Werbungskosten sind ausgeschlossen (ständige BFH-Rechtsprechung).
  • Drei Ausnahmen sind Betriebsausgabe: die Schutzbrille, die Bildschirmarbeitsplatzbrille mit ärztlichem Attest nach § 6 ArbMedVV und, daraus folgend, der Vorsteuerabzug auf beide.
  • Ist die Brille als Betriebsausgabe anerkannt, holst du dir die Vorsteuer über die UStVA zurück, z. B. 95 € bei einer Brille für 595 € brutto.
  • Unter 800 € netto buchst du die Brille sofort als geringwertiges Wirtschaftsgut (GWG), darüber über die Nutzungsdauer.
  • GmbH-Geschäftsführer: Ohne lückenlose ArbMedVV-Dokumentation wird die von der GmbH bezahlte Brille zur verdeckten Gewinnausschüttung (vGA) und ist doppelt teuer.
  • Der saubere Weg in der GmbH ist die Erstattung nach arbeitsmedizinischer Vorsorge (Grundsatz G37): steuer- und sozialabgabenfrei, keine vGA.
  • Passt keine Kategorie, bleibt nur § 33 EStG (außergewöhnliche Belastung), und die zumutbare Eigenbelastung frisst den Abzug meist auf.

Die Grundregel: Sehhilfen sind privat

Der Bundesfinanzhof hat in mehreren Urteilen klargestellt: Eine normale Brille zur Korrektur einer Sehschwäche ist ein privater Aufwand. Auch dann, wenn du sie acht Stunden am Tag am Schreibtisch trägst. Das gilt für Selbstständige (Betriebsausgabe ausgeschlossen) und für Angestellte gleichermaßen (Werbungskosten ausgeschlossen).

Der Grund: Sehkraft ist keine Berufsbedingung, sondern eine Körperfunktion. Du brauchst die Brille auch beim Lesen, Autofahren oder Filmschauen — der betriebliche Anlass fehlt. Mehr zum Unterschied liest du in Werbungskosten vs. Betriebsausgaben 2026.

Drei Ausnahmen, die als Betriebsausgabe durchgehen

Es gibt genau drei Konstellationen, in denen eine Brille steuerlich zählt. Der entscheidende Test ist immer derselbe: Würdest du diese Brille privat überhaupt tragen? Lautet die Antwort Nein, hast du gute Karten.

Entscheidungsbaum mit drei Wegen: Schutzbrille und Bildschirmbrille mit ArbMedVV-Attest sind zu 100 Prozent Betriebsausgabe plus Vorsteuer, eine normale Sehhilfe bleibt privat und höchstens über Paragraf 33 EStG relevant
Drei Wege, ein Test: Nur berufsspezifische Brillen sind Betriebsausgabe, die normale Sehhilfe bleibt privat.

Die folgende Tabelle zeigt, was für Selbstständige und für die GmbH gilt und wann du zusätzlich die Vorsteuer ziehst:

BrillentypSelbstständige (EÜR)GmbHVorsteuer
Alltags- oder Gleitsichtbrilleprivat, nicht abziehbarprivat, vGA-Gefahrnein
Schutzbrille100 % Betriebsausgabe100 % Betriebsausgabeja
Bildschirmbrille (mit Attest)Arbeitsmittelnur mit ArbMedVV-Dokuja
Sonnenbrille mit Sehstärkeprivatprivatnein

1. Schutzbrille

Eine Sicherheitsbrille beim Schweißen, eine Laborbrille, eine UV-Brille für Outdoor-Berufe — alles, was spezifisch dem Schutz vor berufstypischen Gefahren dient, ist zu 100 % Betriebsausgabe. Privat würdest du diese Brille nicht tragen. Bei Anschaffungswerten unter 800 € netto buchst du sie direkt als GWG ab — Details in GWG-Grenze 2026.

2. Bildschirmarbeitsplatzbrille

Hier wird es interessant — und kompliziert. Eine Bildschirmarbeitsplatzbrille (auch „Computerbrille“ genannt) hat speziell auf die Distanz zum Monitor abgestimmte Gläser. Sie ersetzt nicht deine Alltagsbrille, sondern wird zusätzlich angeschafft.

Damit das Finanzamt sie als Betriebsausgabe akzeptiert, brauchst du drei Belege:

  • Augenärztliches Attest, das eine spezielle Sehhilfe für Bildschirmarbeit nach § 6 ArbMedVV bescheinigt
  • Verordnung, die nur für die Arbeit am Bildschirm gilt — nicht universell einsetzbar
  • Rechnung des Optikers, die „Bildschirmarbeitsplatzbrille“ als Verwendungszweck nennt

Sind diese Punkte sauber dokumentiert, kannst du die Kosten als Arbeitsmittel verbuchen. Liegt der Preis über 800 € netto, schreibst du die Brille über die übliche Nutzungsdauer ab.

Ehrlich bleibt: Bei Selbstständigen legt das Finanzamt den strengsten Maßstab an, weil eine Brille immer auch privat nutzbar erscheint. Ohne das Attest nach ArbMedVV und eine Verordnung, die ausdrücklich nur die Bildschirmarbeit abdeckt, kippt der Abzug regelmäßig. Genau dieses Attest ist die Grenze zwischen anerkanntem Arbeitsmittel und privatem medizinischem Hilfsmittel.

3. Vorsteuerabzug bei Bildschirm- und Schutzbrille

Was viele übersehen: Wenn die Brille als Betriebsausgabe anerkannt ist, kannst du auch die Vorsteuer ziehen. Bei einer Bildschirmbrille für 595 € brutto (500 € netto + 95 € USt) holst du dir 95 € über die UStVA zurück. Details dazu im Guide Vorsteuerabzug 2026.

GmbH-Geschäftsführer: Vorsicht vor verdeckter Gewinnausschüttung

Lässt du als Geschäftsführer deiner GmbH die Brille von der Gesellschaft bezahlen, ohne dass die ArbMedVV-Voraussetzungen lückenlos dokumentiert sind, behandelt das Finanzamt das als verdeckte Gewinnausschüttung (vGA): Die GmbH verliert den Betriebsausgabenabzug und du versteuerst den Betrag privat mit Abgeltungsteuer. Doppelt teuer.

Sicher absetzbar in der GmbH ist nur:

  • Schutzbrille (klar berufsbezogen, ohne private Nutzung)
  • Bildschirmarbeitsplatzbrille mit lückenloser ArbMedVV-Dokumentation
  • Brillen für Mitarbeiter auf Basis arbeitsmedizinischer Vorsorge

Mehr zum vGA-Risiko und wie du es vermeidest in Verdeckte Gewinnausschüttung GmbH 2026. Einen breiten Überblick, was die GmbH überhaupt absetzen kann, findest du in GmbH Betriebsausgaben 2026.

Der saubere Weg: Erstattung nach arbeitsmedizinischer Vorsorge (G37)

Bist du als angestellter Geschäftsführer bei deiner GmbH beschäftigt, gibt es einen Weg, der die vGA sicher umgeht. Ergibt eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung nach dem DGUV-Grundsatz G37 „Bildschirmarbeitsplätze“, dass eine spezielle Sehhilfe nötig ist, ist die GmbH als Arbeitgeber verpflichtet, die Bildschirmbrille zu stellen. Diese Erstattung ist dann kein geldwerter Vorteil, sondern eine Leistung des Arbeitsschutzes: steuer- und sozialabgabenfrei, und die GmbH bucht sie voll als Betriebsausgabe.

Der Ablauf in drei Schritten:

  • Untersuchung durch einen Betriebsarzt oder eine arbeitsmedizinische Praxis nach G37 veranlassen
  • Feststellung, dass die normale Brille am Monitorabstand nicht ausreicht, schriftlich dokumentieren lassen
  • Rechnung auf die GmbH ausstellen lassen und die Kosten für die notwendige Spezialsehhilfe erstatten

So wird aus einem vGA-Risiko eine ganz normale, abzugsfähige Ausgabe. Wichtig: Der Betriebsarzt muss die Brille wirklich für erforderlich erklären, eine reine Gefälligkeitsbescheinigung trägt nicht.

Wenn nichts davon passt: außergewöhnliche Belastung

Ist die Brille rein medizinisch motiviert und passt in keine der drei Kategorien, bleibt nur der private Weg über § 33 EStG (außergewöhnliche Belastungen, allgemeine). Allerdings: Du musst zuerst die zumutbare Eigenbelastung überschreiten — je nach Einkommen und Familienstand sind das 1 bis 7 % deiner Einkünfte (§ 33 Abs. 3 EStG).

Gesamtbetrag der EinkünfteLedig, keine KinderVerheiratet1–2 Kinderab 3 Kinder
bis 15.340 €5 %4 %2 %1 %
15.340 bis 51.130 €6 %5 %3 %1 %
über 51.130 €7 %6 %4 %2 %

Seit dem BFH-Urteil vom 19. Januar 2017 (VI R 75/14) wird stufenweise gerechnet: Jeder Prozentsatz gilt nur für den Einkommensteil in seiner Stufe. Bei 60.000 € Gewinn als Single sind das rund 3.535 € zumutbare Belastung, die du selbst trägst, bevor überhaupt etwas abziehbar wird. Eine Brille für ein paar hundert Euro reißt diese Schwelle allein nie. Für die meisten Selbstständigen läuft die Brille deshalb steuerlich ins Leere, es sei denn, im selben Jahr kommen weitere hohe Krankheitskosten zusammen.

So buchst du sauber — ein Beispiel

Fall: Webdesignerin, EÜR, kauft eine Bildschirmarbeitsplatzbrille für 595 € brutto (500 € netto, 95 € USt) mit ärztlichem Attest nach ArbMedVV.

  • Buchung als geringwertiges Wirtschaftsgut, Sofortabschreibung
  • 95 € Vorsteuer in der UStVA des Anschaffungsmonats geltend machen
  • 500 € als Betriebsausgabe in der EÜR (Aufwendungen für GWG)

Die Belege (Attest, Verordnung, Rechnung) gehören mindestens 8 Jahre archiviert — siehe Aufbewahrungsfristen GmbH 2026, die Frist gilt analog für Selbstständige.

Häufige Fragen zu Brille und Steuer

Kann ich eine Gleitsichtbrille absetzen? Nein. Eine Gleitsichtbrille korrigiert eine allgemeine Sehschwäche und ist damit privat, egal wie viel du damit arbeitest. Nur eine reine, zusätzlich angeschaffte Bildschirmbrille mit Attest zählt.

Sind Kontaktlinsen als Selbstständiger absetzbar? Nein, aus demselben Grund wie die Brille: Sie ersetzen die Sehkraft im Alltag. Nur berufsspezifische Schutzlinsen wären denkbar, in der Praxis aber die absolute Ausnahme.

Wie viel zahlt die GmbH steuerfrei für eine Bildschirmbrille? So viel, wie die notwendige Spezialsehhilfe kostet, sofern die arbeitsmedizinische Vorsorge (G37) sie für erforderlich hält. Erstattet wird die medizinisch nötige Ausführung, nicht das Designer-Gestell.

Brauche ich für die Bildschirmbrille wirklich ein ärztliches Attest? Ja. Ohne Attest nach § 6 ArbMedVV und eine auf Bildschirmarbeit beschränkte Verordnung erkennt das Finanzamt die Kosten nicht als Betriebsausgabe an.

Ist eine Sonnenbrille mit Sehstärke absetzbar? Nein. Sie ist universell im Alltag nutzbar und damit privat, selbst wenn du überwiegend draußen arbeitest.

Fazit

Eine Brille absetzen geht — aber nur, wenn sie berufsspezifisch ist und du das dokumentieren kannst. Schutzbrille: einfach. Bildschirmbrille: machbar mit Attest. Sehhilfe für den Alltag: privat. Bei der GmbH ist die Hürde noch höher, weil bei Unklarheit eine vGA droht.

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Schutz- und Bildschirmbrille automatisch richtig verbucht

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